Erdbau

Einen Keller ohne Erdbau zu bauen ist nicht möglich. Deshalb beinhaltet der Kellervertrag auch den Punkt Erdbau. Als Baulaien klangen die im Angebot genannten Punkte für uns harmlos und völlig ausreichend. Doch weit gefehlt. Dank einer externen Beratung sind wir vor einem sehr teuren Abenteuer bewahrt geblieben worden.

Der Erdbau wird nicht von Gussek & Wolts selbst durchgeführt, sondern an einen lokalen Subunternehmen fremdvergeben. Die im Vertragsangebot genannten Preise sind deshalb mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Im Regelfall sind die Erdbauarbeiten, wenn sie durch den Bauherren ausgeschrieben werden, viel billiger zu haben. Dabei hat man darüber hinaus folgende Vorteile:

1. Erstellung eines präzisen Leistungsverzeichnis möglich. Vermeidung von teuren Nachträgen.
2. Möglichkeit der Pauschalierung von Leistungen und Preisen
3. Verhandlung von Festpreisen
4. Eigenleistungen einbringen

Achtung - noch folgender wichtiger Hinweis zu den Preisen im Werkvertrag Angebot:

1. keine ca. Preise akzeptieren
2. keine Positionen ohne bzw. ohne genaue Preisangabe hinnehmen
3. Vorsicht bei Positionen die "nach Aufwand" abgerechnet werden sollen. Hier hilft die Festschreibung eines LV


Hier die Punkte bei denen man im Werkvertrag aufpassen sollte:

1. Erdbau - Aushub/Wiederanfüllung

a) Der Vertrag sieht meist einen Pauschalpreis vor, der für einen Laien niedrig klingt, dies aber nicht ist.
Ein lokales Unternehmen hat bei uns die gleiche Leistung für die Hälfte erbracht.
b) Nur wer genau weiß über welche Art von Boden er redet, kann einen guten Preis verhandeln. Bei einem Boden, den man nicht zum Wiederverfüllen verwenden kann (Lehm, Mergel etc.), kommen teure Zusatzkosten (Transport, Kippgebühren) auf einen zu. Umso wichtiger das man hier den genauen Preis für alle Leistungen vorher kennt.
c) Im Vertragstext steht, das der Aushub seitlich auf dem Grundstück gelagert wird. Welch ein Wahnsinn!
1. Wer hat so ein großes Grundstück?
2. Wer braucht soviel Sand/Erde?

Folgende Rechnung sollte man einfach mal durchrechnen (die Wert sind teilweise Vorgabe von Gussek):


Hausaußenmaße + 1,00 m Arbeitsraum + ca. 0,80 m für die Böschung = Länge bzw. Breite der Baugrube

Baugrubenlänge x Breite x Tiefe = Aushub gewachsener Boden in m3.

Menge gewachsener Boden in m3 x Faktor 1,4 = Menge gelöster Boden !!!


Ein 3-Achs LKW transportiert ca. 9-10 m3 gelösten Boden. Wer jetzt noch meint alles auf seinem Grundstück lagern zu können, muss über sehr viel Platz verfügen.


Die Bodenabfuhr und die sehr wahrscheinlich notwendige Wiederanfuhr sind natürlich nicht in der Erdbau-Pauschale enthalten. Welche Kosten hier auf einen zukommen können, werden einem vorenthalten. Je nach Art des Bodens und Größe des Kellers können hier beträchtliche Summen zusammen kommen.
Neben den Fahrtkosten (An- und Abfuhr) werden Ihnen dann später evtl. Kippgebühren und die Kosten für den Kauf neuen Sandes zum Wiederauffüllen in Rechnung gestellt.
Wer hier keine Preise festschreibt, ist verloren. Solche offenen Posten sind eine Goldgrube für Nachträge für jeden Erdbauer.
Und man kann dann nicht mehr verhandeln. Man bekommt einfach am Ende eine dicke Rechnung.

Also über ein Bodengutachten vorher klären lassen über welchen Boden man verfügt.

Evtl. Bauern im Ort fragen, die Sand zum Verfüllen benötigen. Solche kurzen Wege können einem viel Geld sparen.
Wer nicht genug Platz hat seinen Sand auf dem eigenen Grundstück zwischenzulagern, sollte Bauern in der Nähe fragen, ob sie nicht evtl. bereit sind Lagerflächen (Acker/Seitenstreifen) für das Zwischenlagern zur Verfügung zu stellen.

Achtung: Mutterboden ist kostbar und teuer. Dieser sollte vorrangig auf dem Grundstück gelagert werden.


d) Wiederverfüllen / Anfuhr von Sand

Unabhängig davon, ob man den eigenen oder hinzugekauften Sand zum Wiederverfüllen benötigt, sollte bei der Berechnung noch folgendes mitüberlegt werden:

vorhandenen Mutterboden aufheben
Meist will man anschließend höher anfüllen als vorher (z.B. Terrasse etc.) Deshalb mehr Sandmengen einplanen als nur zum Verfüllen der eigentlichen Baugrube notwendig sind.


2. Innere Erschließung (Schmutz-/Regenwasser)

Die innere Erschließung (Regenwasser/Schmutzwasser/Sickerschacht) wurde pauschal mit 50 Euro je lfd. Meter im Vertrag veranschlagt. Dies ist ebenfalls ein sehr hoch angesetzter Betrag, der bei einem sauber ausgearbeiteten Leistungsverzeichnis teilweise mehr als 50% durch ein örtliches Unternehmen unterschritten werden kann.

Regenwasser: Hier gilt es zu überlegen, in wie weit man Regenwasser nutzen will. Nie wieder werden Sie so preiswert die Gelegenheit haben durch einen Bagger ein so großes Loch graben zu lassen und einen Erdtank oder alternative Lösungen in der Erde zu installieren.

Zwei Tipps

a) Wenn das Regenwasser in einen Sickerschacht oder eine Rigole geleitet werden soll, wird in den meisten Fällen ein s. g. Laub-/Sandfangschacht eingeplant. Dieser kann ohne weiteres auch sehr viel tiefer als eigentlich notwendig geplant werden. Auf diese Weise erhält man einen "Wassertank" den man mit Hilfe einer Tauchpumpe im Sommer zur Gartenbewässerung nutzen kann.

b) Wenn auf Grund der Lage des Grundstücks sich an bestimmten (meist unerwünschten) Stellen Regenwasser sammelt (kann man auch gut im Frühjahr bei Tauwetter beobachten), so können im Rahmen der Verlegung der Regenwasserleitungen entsprechende weitere Zuläufe für spätere Rinnsteine, Bodenrinnen, AccoDrain-Rinnen etc. eingeplant werden.


3. Grundstücksvoraussetzungen

Im Vertrag werden Grundstücksvoraussetzungen festgeschrieben, die der Bauherr sicherzustellen hat. Anderenfalls muss er die Mehrkosten tragen. Wieder so eine Stelle, wo sich Gussek & Wolts zu Lasten des Bauherren absichert, aber keine Hilfestellung leistet.
Deshalb:
a) Unbedingt ein Bodengutachten durchführen lassen und das Ergebnis zum Vertragsbestandteil machen.
b) Einen Vorort-Termin vereinbaren und die Besichtigungsergebnisse zum Vertragsbestandteil machen.
Textvorschlag: "Das Grundstück entspricht in allen Bedingungen den im Werkvertrag geforderten Vorraussetzungen."
c) Vergessen Sie Aussagen wie "Das klappt schon.", "Da findet sich schon eine Lösung." usw. Am Ende beruft sich jeder doch nur auf das was im Vertrag steht.


4. Technische Anlagen zum Vertrag

a) Als Bauherr werden Sie verpflichtet für eine entsprechende Zuwegung und einen Kranstellplatz zu sorgen.
Achtung: Das kann sehr teuer werden. Gussek & Wolts will bis 5 Meter an das zu errichtende Gebäude (nicht die Baugrube!) mit LKWs (42t) und einem Autokrahn heranfahren können. Eine evtl. notwendige Herstellung der Zuwegung für solche Fahrzeuge kann schwierig und teuer werden. Eine solche Herstellung erfordert meist das Auskoffern und Verfüllen mit Mineralgemisch. Hier kommt je nach Länge und Breite leicht ein 4-stelliger Betrag zusammen. In vielen Fällen muß nach der Bautätigkeit der alte Wegezustand auch noch wieder hergestellt werden.
Tipp: Ortstermin vereinbaren und die örtlichen Gegebenheiten als akzeptiert in den Vertrag schreiben lassen. Anderenfalls laufen Sie Gefahr, das man Ihnen 1 Woche vorher mitteilt, das die Gegebenheiten so nicht akzeptabel sind. Und dann haben Sie ein zeitliches und kostenmäßiges Problem.

b) Sie werden viel Lagerfläche benötigen. Für Container, Baumaterialien, Toilettenhäuschen, Steine, Kellerdeckenteile, Sand etc. Überlegen Sie sich vorher, ob das alles auf Ihrem Grundstück Platz hat. Wenn nein, fragen Sie Ihre Nachbarn rechtzeitig welche und in wie weit benachbarte Flächen ggf. mitgenutzt werden dürfen.

c) Manchmal können die im Vertrag geforderten Mindestmaße vor Ort nicht eingehalten werden. Im Vertrag sollten solche kritischen Stellen gleich mit aufgenommen werden.
Beispiel: Gussek & Wolts lassen sich 1 Meter Arbeitsraum unten in der Baugrube zusichern. Abgesehen davon, das 0,80 Meter völlig ausreichen, kann es darüber hinaus dennoch manchmal enger werden.